Konzeption der Evangelisch-Lutherischen Kindertagesstätte Regnitzlosau
V. Pädagogik
4. Vorschulerziehung (Bewusstes Lernen im Jahr vor der Einschulung)
Ziel der Vorschulerziehung im Kindergarten Regnitzlosau ist die Erlangung der Schulfähigkeit. Die Vorschulerziehung soll einen weitgehend schonenden Übergang in den Schulalltag ermöglichen, da die Kinder bereits mit altersgemäßen Aufgaben und Anforderungen in der Vorschulzeit vertraut gemacht werden. Dies geschieht unter Berücksichtigung des Entwicklungsstandes und der persönlichen Besonderheiten des jeweiligen Kindes. Durch sanfte Hilfestellung schaffen wir Vertrauen und helfen den Kindern sich zu emanzipieren, d.h. wir versuchen sie zur Selbstständigkeit, Selbstorganisation und Eigenverantwortlichkeit zu befähigen. Dies geschieht durch einen partnerschaftlichen Umgang miteinander, aber auch durch demokratisches Lernen, Toleranz und Wertevermittlung.
Konkrete Fähigkeiten, die im kognitiven Bereich erworben werden:
1) Kennen lernen einfacher mathematischer Begriffe (Zahlen von 1-10, Rechenzeichen, Unterschiede zwischen rund/eckig, Flächen/Körper, Seiten/Ecken usw.), anschaulicher Operationen sowie geometrischer Formen (Quadrat, Rechteck, Kreis usw.) und deren Benennung durch ganzheitliche Wahrnehmung und Spielen.
2) Vergleichen, Zuordnen bzw. Isolieren von Bildern, Gegenständen und Mengen aus dem kindlichen Umfeld und Erfahrungswissen nach Merkmalen, Gemeinsamkeiten oder der Anzahl.
3) Experimentelles Messen mit dem Körper, mit Seilen oder ähnlichen selbst entwickelten Konstanten und Erstellen einfacher kindgemäßer Skalen, die der Überprüfung von Größen- und Mengenverhältnissen dienen.
4) Schulung der räumlichen Wahrnehmung und Vermittlung von Lagebezeichnungen wie oben-unten, rechts-links, Vordergrund- Hintergrund.
5) Aufnahme und Übertragung von geometrischen Formen in figürliche Darstellungen wie Bilder oder Mosaikbilder. Dadurch erweitern sich die Denkstrukturen.
6) Behutsame Steigerung der Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer durch dem Stand der Kinder entsprechende Aufgabenstellungen.
7) Anreize zum sprachlichen Austausch durch Gespräche, Erzählungen, Nacherzählungen, Rätsel, Geschichten oder Witze schaffen. Beschreibung von Bildern und Bildgeschichten bzw. Ordnen und Zusammenfügen einzelner Bilder zu sinnvollen Bildgeschichten.
8) Der vertrauensvolle Umgang miteinander (in Kleingruppen) bietet Kindern die Möglichkeit ihre Meinung zu vertreten. Sie üben Sachverhalte strukturiert darzustellen.
9) Die Kinder erwerben durch Lieder, Sprachspiele (Anlaut, Endlaut, Mittellaut - Isolierung), Lautspiele (Unterscheidung von Vokalen und Konsonanten) und Reimspiele phonologische Bewusstheit, die den Sprach- und Schrifterwerb erleichtern. Das geschieht in Anlehnung an das Würzburger Trainingsprogramm "hören, lauschen, lernen", welches es erleichtert auf Sprachauffälligkeiten einzugehen.
10) Einfache, spielerische, naturwissenschaftliche Experimente fördern die Neugierde der Kinder und bringen ihnen Naturerscheinungen, Naturgesetze, Elemente in ihren verschiedenen Aggregatzuständen und deren Eigenschaften näher (z.B. Was braucht die Kerze, damit sie brennt: Wachs, Docht, Flamme und Sauerstoff. Brennt sie auch ohne Sauerstoff? usw.).
11) Geographische Gegebenheiten werden durch Anschauung (Globus, Bilder etc.) und praktisches Tun (z.B. Gebrauch von Kompass und dessen Nutzung/Wanderkarte) erklärt.
12) Grundsätzlich sind kreative Lösungsvorschläge der Kinder bei Problemstellungen ausdrücklich erwünscht und machen Mut, Dingen auf den Grund zu gehen.
13) Mittels einfacher räumlicher Strukturierung (z.B. fester Platz für fertig erledigte Aufgaben, Kinder sitzen nur an der langen Seite des Tisches usw.) lernen Kinder spielerisch, ihren Arbeitsplatz zu organisieren und sauber zu halten.
14) Zudem lernen die Kinder durch das Erledigen von Aufgaben in einem vorgegebenen Zeitraum ihre Zeit einzuteilen. Sie erfahren die Freude, einen Auftrag unter- ihrem Leistungsstand angemessenen- Zeitdruck erfolgreich zu bewältigen.
Auch auf motorischem Gebiet entwickeln sich die Kinder:
1) Durch gezielte Aufgabenstellungen bilden sich vorschulische Kulturfähigkeiten wie Malen, Schneiden, Reißen, Knüllen etc. weiter heraus. Die Feinmotorik verbessert sich.
2) Eine ergonomische Stift- und Sitzhaltung soll den Kindern Rüstzeug für eine entspannte, aber auch rückenschonende Arbeitshaltung geben.
3) Auch Lockerungs- und Entspannungsspiele (Geschichten) werden den Kindern nahe gebracht.
4) Durch eine langsame Steigerung der Anforderung wird die Finger-, Hand- und Armmuskulatur gestärkt, wie beim Ausmalen von Motiven etc.
5) Gezielte Spiele verbessern die Auge-Hand-Koordination. Ein genaueres Arbeiten (beim Schneiden, Malen und bei Schwungübungen) wird möglich. Wir beobachten, wie die Kinder ihre Händigkeit finden (Rechts-, Linkshändigkeit), ohne in den Prozess lenkend einzugreifen.
6) Kreuzbewegungen und Schwungübungen dienen als Vorübung zum Schrifterwerb.
Auch im sozial-emotionalen Bereich entwickeln sich die Kinder weiter. Gegen Ende der Vorschulzeit kann man bei den meisten von einem adäquaten, schulreifen Sozialverhalten ausgehen.
1) Durch das Arbeiten in der Kleingruppe während der Vorschule lernen die Kinder eigene Wünsche, aber auch Reize zurückzustellen. Sie lösen Aufgaben für sich alleine und mit anderen gemeinsam. Hierdurch entsteht Teamgeist, so dass praktische oder einfache organisatorische Tätigkeiten bzw. Notwendigkeiten, wie Tisch Decken, Abräumen etc. von der Gruppe selbstständig erledigt werden.
2) Wir bieten den Kindern einfache Konfliktlösungsstrategien an, d.h. die Kinder lernen demokratisch abzustimmen (Handabstimmung) und Diskussionsregeln einzuhalten (jeder hat das Recht auf eine Meinung, alle dürfen aussprechen usw.). Bei Interessensüberschneidungen dienen ihnen Abzählreime als Lösungsmöglichkeiten. Hierbei gilt der Grundsatz der Gleichheit/ Allgemeingültigkeit.
3) Toleranter und sich gegenseitig unterstützender Umgang wird durch Gemeinschaftsaufgaben gefördert und soll vom egozentristisch geprägten Wahrnehmen hin zu einem "Wir-Gefühl" und Teamgeist führen. Die Kinder helfen sich gegenseitig und knüpfen Kontakte, die für alle positiv sind (helfen und sich helfen lassen). So wird Interesse an anderen Kindern, aber auch Lust auf Neues geweckt. Es entsteht Neugierde auf die Schule.
4) Indem die Vorschüler durch andere Kinder oder Erzieher Hilfe erfahren, wenn sie gebraucht wird, werden Stress und Ängste abgebaut. Positive Erlebnisse werden auf Schule und Lehrer übertragen. Die Kinder erkennen, dass man nicht alles wissen, aber vieles lernen bzw. sich informieren kann und durch gegenseitige Kommunikation Erfahrungen ausgetauscht werden können.
Die Vorschulerziehung wird durch die enge Zusammenarbeit mit der Schule ergänzt. Bei einem Besuch in der Schule lernen die Kinder das Gebäude und die Lehrkräfte kennen und nehmen probeweise am Schulunterricht teil. Außerdem finden Gespräche zwischen dem pädagogischen Personal der Kindertagesstätte und den Lehrern statt, um die individuelle Förderung der Kinder zu erleichtern. In Zusammenarbeit mit der Polizei erfolgt ein Schulwegtraining.
