Gedanken von Nanne Wienands zum Friedensgebet in der Ägidienkirche

Regnitzlosau 29. Juli 2015

Am 9. Juni 2012 – vor drei Jahren – haben wir hier in dieser Kirche den ersten Friedensgottesdienst miteinander erlebt. Er war notwendig geworden wegen der Nutzung des Anwesen Oberprex Nr. 47 durch Menschen mit rechtsextremer Gesinnung.

Am 11. Juli 2013 durchsuchte die Polizei im Auftrag des Bayerischen Innenministeriums nach sicher langwierigen Vorarbeiten 70 Objekte, Wohnungen, Häuser und Werkstätten in ganz Bayern nach Beweismitteln gegen das sogenannte „Freie Netz Süd“.

Diese Razzia war die Grundlage dafür, dass ein Jahr später, am 24. Juli 2014, erneut die Polizei in Oberprex eingriff. Diesmal kam es zur Beschlagnahmung des Anwesens und aller dort gelagerten Beweismittel. Es war ein bisher einmaliger Vorgang, dass ein Haus, in dem die rechtsextreme Szene verkehrte, enteignet wurde. Wie der Rechtsstreit darüber ausgeht, bleibt abzuwarten. Dass man dort 14 Tage vorher noch ein sogenanntes „Bürgerfest“ feiern wollte, das die Regnitzlosauer Bürger mit einem stillen Gedenken bei der Sportwoche beantworteten, zeigt, wie sicher sich die Mitglieder des Freien Netz Süd fühlten.

Szenenwechsel:
seit etwa einem Jahr erleben wir eine Zunahme der Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten. Keine Überschwemmung, keine Ströme, einfach eine Zunahme. Sie kommen in unser Land, um Ruhe und Frieden zu erleben. Verfolgt und traumatisiert kommen jung und alt, Familien, Kinder, Frauen und Männer.

Dass sich dort, wo Flüchtlinge einziehen können, sofort Menschen finden, die Flugblätter mit unsäglich dummen und primitiven Inhalten in die Briefkästen der Anwohner verteilen, zeigt uns, dass zwar Oberprex leer und verlassen steht, dass aber der Geist immer noch und überall vorhanden ist, und dass jede Chance nutzt wird, um Parolen zu verbreiten, die Hass, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen nach sich ziehen.

gedanken-friedensgebet

Und es sind nicht nur Flugblätter. Es sind Brandsätze und Steine, Menschen kommen zu Schaden, Wohnraum wird vernichtet. Deswegen sind wir heute hier. Wo immer dieser Geist auftaucht und aktiv wird, auf dessen Konto soviel Unrecht und Unheil, soviel Verbrechen und Blutvergießen gegangen ist, müssen und wollen alle, die anderer Meinung sind, aktiv dagegen halten.

Man nennt das „zivilgesellschaftliches Engagement“. Nur im stillen Kämmerlein sitzen und sich entrüsten und aufregen, hilft nicht. Auch „nur“ in einen Gottesdienst zu gehen, hilft nicht. Aber gestärkt seine Meinung zu sagen und zu schreiben, Stellung zu beziehen, das hilft.

Deswegen bin ich froh, dass wir heute wieder hier sind.

Im neuesten Kontakt steht dieses Gebet

Herr Jesus Christus,

Du schickst uns los in ungewohnte Situationen und echte Herausforderungen. Wir müssen reagieren auf unbequeme Fragen und komplexe Schwierigkeiten. Gib uns Klugheit damit wir Wege wahrnehmen, die scheinbar verborgen sind. Schenke uns Gelassenheit, damit wir gut handeln können, wenn es bedrohlich wird. Wir brauchen geschicktes Reden und Tun, Vertrauen auf dich und deine Möglichkeiten. Darum bitten wir. Amen