Seminararbeit Kirchenbau St. Aegidienkirche

Auszug aus der Seminararbeit zum Thema “Kirchenbau: St. Ägidienkirche in Regnitzlosau” von Lukas Zeeh:

IV. Der gegenwärtige Zustand der Kirche

1 . Der Kanzelaltar

Im Inneren der St.-Ägidienkirche sticht neben der Orgel und den Malereien der barocke Kanzelaltar ins Auge. Laut Prückner wurde dieser 1743 für 222 Gulden von dem Bildhauer Knoll in Hof für die Kirche angefertigt. Maßgeblich für den Bau und die Gestaltung des Altars wurde der nachfolgende biblische Spruch als Wegweisung mitgegeben.(Hopperdietzel) „Das anvertraute (köstliche) Gut, der Glaube und die rechte Lehre, deren unversehrte Weitergabe – Das ist die Hauptpflicht der kirchlichen Amtsträger.“ 2. Tim 1, 12-14

Das Gebälk des weißen Altars wird durch insgesamt vier Säulen, auf jeder Seite eine äußere Gewundene und eine innere Glatte, getragen. Die äußeren Sockel, die der gewundenen Säulen, wurden mit Engelsköpfen und hängenden Fruchtstücken verziert. Die inneren dagegen tragen Reliefdarstellungen der Verkündigung und der Geburt Christi. Zwischen diesen Sockeln sieht man ein Abbild des Abendmahls.

In der Mitte des Altars befindet sich die mit Gold und Figuren verzierte Kanzel. Die Figuren zeigen den gekreuzigten Jesus zwischen Maria und Johannes.

Am unteren Teil des Kanzelkorbes hängt eine Tafel mit der Inschrift: „ Inoica XI 16. Baue dem Herrn deinem Gott einen Altar.“ (Abb.7 Altar).

Als Schalldeckel dient eine von Putten gehaltene Krone. Umgeben wird sie von den vier Evangelisten und dessen Attributen. Links von der Kanzel steht Matthäus mit einem Engel und rechts Markus mit dem Löwen, beide zwischen zwei Säulen. Links auf dem Architrav befindet sich Lukas mit dem Stier und auf der rechten Seite der Evangelist Johannes mit dem Adler.

Der obere Teil des Altars zeigt in der Mitte die gemalte Stadt Jerusalem und den davor als Figur dargestellten auferstehenden Christus. Die Spitze des Altars bildet eine Darstellung der Trinität: Der Vater und der Sohn thronen auf einem Wolkenkranz, unter ihnen das Weltall und die Erde, und in einer Sonne über ihnen die Taube als Heiliger Geist.

2 . Die Glocken

Auf dem Kirchturm hängen drei historische klangvolle Glocken.

Die kleine Glocke:
Die kleinste der Glocken, die Gebetsglocke, stammt wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert und ist die Älteste und mit 2,4 Zentner auch die Kleinste der drei Glocken. Sie wurde 1684 zum ersten und 1800 zum zweiten Mal umgegossen.
Ihre Aufgabe besteht daraus, zum Früh- und Abendgebeteinzuladen und die Gemeindemitglieder auf dem erstenund letzten Gang ihres Lebens zu begleiten. Früher läutete die Gebetsglocke außerdem eine Viertelstunde vor Beginn der Schule.

An der Außenseite trägt sie das preußische Wappen und darunter in lateinischen Buchstaben folgende Inschrift:
UNTER DIRECTION IHRO HOCHEHRWÜRDEN HERR PFARRER KESSLER WURDE DIESE GLOCKE NEU GEGOSSEN VON I. L. LOESCH ZU ST. GEORGEN AO. 1800.
Auf der Rückseite steht:
CANTOR WAR DAMALS HERR SCHWALBE UND (Abb.8 Kleine Glocke der Kirche) GOTTESHAUSVORSTEHER MEISTER STRUNZ. (Abb.9 Mittlere Glocke der Kirche)

Die mittlere Glocke:
Die mittlere Glocke, auch Sturmglocke genannt, stammt aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und ist 5,2 Zentner schwer. Sie ist die Wetterglocke und wurde früher immer bei schweren Gewittern geläutet. Während des Läutens wurde zur Gewitterschutzheiligen St. Anna gebetet. Am Hals hat sie folgende Umschrift: „Christof Glockengieser zu Nurmberg gos mich – zu gottes lob und dienst geher ich.“ Die beiden Teile der Inschrift werden durch ein Kreuz geteilt. Laut Sitzmann ist das ein Kennzeichen der Familie Glockengießer.

Die große Glocke:
Die größte Glocke, die Friedensglocke, wiegt 15,5 Zentner und stammt aus dem Jahr 1527. Sie erinnert an die Zeit der Reformation und wurde vor der Errichtung des elektrischen Geläutes zusammen mit der Sturmglocke an jedem Wochentag drei mal angeschlagen. Damit verknüpft wurde folgendes Gebet: „Gott mit uns, Fried im Land, Gott mit uns.“

Am Hals besitzt die Glocke eine Inschrift in spätgotischen Buchstaben: „Anno domini M.C.C.C.C.C. XX ii iar + iesu rex glorie veni cum pace + verbum domini manet in eternum“ Auf Deutsch bedeutet dies: „Im Jahre des Herrn 1527. Oh Jesu, Du König der Ehren, komm mit Deinem Frieden. Das Wort des Herrn bleibet in Ewigkeit.“ (Abb.10 Große Glocke der Kirche) (Abb.11 Orgel) (Abb.12 Unten Pfeifen der Orgel)

3. Die Orgel

Die Orgel in der St.Ägidienkirche Regnitzlosau steht auf der westlichen unteren Empore und wurde 1844 von dem Orgelbauer Augustin Bittner aus Nürnberg gebaut, da die alte Orgel schon sehr alt, nur noch notdürftig repariert war und für das große Gotteshaus nicht mehr ausgereicht hatte. Schon 1841 beschäftigte man sich mit den Planungen und Vorbereitungen für den Bau der Orgel. Bittner schickte damals die Disposition für zwei verschiedene Werke, das erste mit 14 und das zweite mit 18 Registern, nach Regnitzlosau.

Die Gemeinde entschied sich für das kleine Werk, doch die königliche Regierung von Oberfranken genehmigte die Anschaffung des größeren Werks. Man bestellte deshalb am 10.September 1843 die größe Orgel mit 18 klingenden Registern für 2000 Gulden. Für nochmals 125 Gulden wurde die Orgel vergoldet und angestrichen und schließlich am 26.Juni 1844 von dem Müllermeister Künzel mit zwei Gespannen nach Regnitzlosau transportiert.

Die Kirchengemeinde bezahlte für Alles 2001 Gulden. Durch den Bau der Orgel kam es zu Veränderungen am Chor und an der oberen Empore. Zimmermeister Johann Georg Pohra musste den alten Chor versetzten, zwei neue Säulen nach der Form der alten anfertigen und die obere Empore so abzuschneiden, sodass die Orgel dazwischen Platz fand. Zwischen 1954 und 1957 wurde die Orgel renoviert, da das Werk im Laufe der Zeit heruntergekommen, die Bälge undicht und der Motor unbrauchbar geworden war.

Deshalb stellte man einen neuen Motor auf, baute ein neues Pedal in die Orgel ein und belederte sämtliche Pulpeten neu. Die Kosten dafür betrugen 2600 DM. Die Orgel ist mit vergoldeter Schnitzerei verziert und durch gemalte gedrehte Säulen gegliedert. Zwischen den Basstürmen sind die Pfeifen in zwei Geschossen angeordnet.

Maße der Orgel: Breite des Prospekts: 3,88m ;
Breite des Untergehäuses: 3,30m ;
Seitenhöhe: 4,86m ; Mittelhöhe: 5,10m